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Kein Hauptstadt-Bonus + + +

Das Klischee wird wahrscheinlich ewig bleiben: Bands vom Land machen Volksmusik oder haben keine Ahnung davon, was derzeit angesagt ist. Sie sind ja völlig ab vom Schuss. Musikgeschichte wird in den großen Städten geschrieben, vor allem in Berlin. Dort sitzen die Plattenfirmen. Also beste Voraussetzungen, um die Karriere zu starten. „Hauptstadt-Bonus“ nennt das Ingo Knollmann von der Band „Donots“. Für viele Bands ist das ein Grund dorthin zu ziehen. Aber es geht auch anders.

Langeweile macht Musik + + +

Langeweile. Das scheint bei vielen Jugendlichen auf dem Land ein Antrieb zu sein, eine Band zu gründen. Für junge Leute ist ja auf dem Land nicht soviel los: wenig Kneipen, Diskos und Konzerte. Da kommt man leicht auf den Gedanken, die Gitarre in die Hand zu nehmen und eine Musik-Karriere zu starten. „Wir haben die Donots mehr oder weniger nur gegründet, um etwas zu tun zu haben, ein bisschen kreativ zu sein und Bier in einem Proberaum und nicht unter freiem Himmel zu trinken.“, erzählt Ingo Knollmann leicht schmunzelnd. Er hat mit seinen Kumpels im Städtchen Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen vor 13 Jahren die Donots gegründet.

Das Land macht eigenständig + + +

Hier mag das Klischee stimmen: Die Abgeschiedenheit vom Land hat anscheinend wirklich Auswirkungen auf die Musik. „Durch die Einsamkeit sind wir auf den unnachahmlichen Bananafishbones-Stil gekommen“, meint Sebastian Horn von den Bananafishbones aus dem Bayerischen Bad Tölz. Auch Ingo von den Donot sieht ein Unterschied darin, ob man von der Stadt oder vom Land kommt: „In großen Städten rennt man halt dem Trend so ein bisschen hinterher.“ Letztendlich komme es aber darauf an, ob du dein eigenes Ding durchziehst, ergänzt der Sänger der Donots.

Start-Bonus Proberaum + + +

Großer Vorteil für junge Bands hat das Land: Ein Proberaum ist schnell gefunden. Im Haus der Eltern kann man Krawall machen, ohne die Nachbarn zu stören. Und den ersten Auftritt hat man meist auch schnell in der Tasche: in der Schule, der Kellerdisko oder dem Scheunenfest. So war es zumindest bei den Bananafishbones. Auch für Madsen war es einfach an die ersten Auftritte zu kommen, wie Folkert Jahncke von der Band aus dem Wendland erzählt. Viele Clubs hätten sich gefreut, als sie dort auftreten wollten. Schließlich sei ja auf dem Land nicht soviel los. Das ist für Ingo von den Donots auch der Grund, warum hier das Publikum bei Konzerten mehr feiert: Die Leute sind nicht so übersättigt und sind glücklich darüber, wenn einmal ein Act spielt. Und auch junge Bands freuen sich: Die Leute gehen deshalb öfter auf Konzerte unbekannter Künstler.

Der steinige Weg nach oben + + +

So leicht man zum ersten Auftritt kommt, so schwer tut man sich, an weitere Gigs zu gelangen. Genügend Auftrittsmöglichkeiten gebe es auf dem Land nicht wirklich, meint Ingo von den Donots. Deshalb hat er jeden Tag rumtelefoniert, um Auftritte für seine Band zu organisieren „Ich weiß von vielen Bands, die in kleinen Dörfern oder Städten ihre ersten Gehversuche machten, die Band aber schnell wieder eingestampft haben, weil es dort keine solchen Auftrittsmöglichkeiten wie in großen Städten gegeben hat.“ Bands vom Land müssen also raus, wollen sie es ganz nach oben schaffen. Und das bedeutet vor allem: Touren bis zum Umfallen, auch wenn man für Auftritte ab und zu kein Geld bekommt, sich eine Fangemeinde erspielen und darauf hoffen, dass eine Plattenfirma auf einen aufmerksam wird.

Endlich Superstar! + + +

Touren, Videos drehen, Platten aufnehmen und Interviews geben. So sieht der Alltag einer erfolgreichen Band aus. Man kommt viel herum und findet vielleicht auch einen Ort, an dem es einem besser gefällt als zu Hause. Unsere Bands sind größtenteils ihrer Heimat treu geblieben. Die Mitglieder von Madsen lieben das Landleben. „Ich hab inzwischen drei Kinder und will, dass sie in eine ordentliche Schule gehen und in der Natur aufwachsen.“, erzählt Sebastian Horn von den Bananafishbones, der es genießt, weit weg vom Trubel der Stadt zu leben. Nur der Großteil der Donots ist in das 40 Kilometer entfernte Münster gezogen. Ihren Proberaum haben sie aber immer noch auf dem Land: In einem alten Backsteinhaus am Rande der Stadt.

Text: Andreas Frank

Bilder: Ingo Pertramer/Madsen, Madsen, Bananafishbones, The Notwist
Gudron | Dreamstime.com, pixelio.de